Diese Geschichte darf nicht vergessen werden!

Eröffnung der Ausstellung „Betrifft: Aktion 3 – Deutsche verwerten jüdische Nachbarn“ im Landeshaus des LWL

 

Die Dokumente erschüttern: noch kurz vor der Deportation 1941 mussten alle jüdischen Menschen, ob Greis oder Kleinkind, eine „Vermögensaufstellung“ ihrer restlichen Habseligkeiten wie Kleider, Schuhe, Wäsche machen. Mit ihrer Deportation gingen diese Dinge ins Eigentum des Deutschen Reiches über und wurden von den Finanzämtern versteigert. Zu Schnäppchenpreisen konnten Nachbarn diese erwerben. Alles wurde auf Mark und Pfennig von den Finanzbehörden festgehalten. Die wenigen Überlebenden des Holocaust, die nach 1945 zurückkamen und ihr Eigentum zurückhaben wollten, wurden mit ihrem Anliegen oft abgewiesen. Sie mussten „beweisen“, dass die Dinge ihnen gehört hatten. Eine immer noch beschämende Geschichte. Auch aus Münster wurden damals mehr 1200 Menschen deportiert.

Die Dokumente dieses Raubzuges wurden als „Steuerangelegenheiten“ eingestuft und waren so offiziell für 80 Jahre unter Verschluss. Prof. Dr. Wolfgang Dressen stieß vor 20 Jahren auf diese Verschlusssachen, kopierte sie und machte daraus diese beeindruckende Ausstellung.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am letzten Samstag betonte die Landesrätin für Kultur im LWL, Frau Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger in ihrem Grußwort, dass dieser Teil unserer Geschichte ein wichtiges Element der Erinnerungskultur sein muss. Sie wies außerdem darauf hin, dass der Landschaftsverband Westfalen Lippe aktuell daran arbeitet, die Herkunft von Kulturgütern in den Beständen der eigenen Museen aufzuarbeiten und diesen Prozess auch an die Öffentlichkeit zu bringen.

Prof. Dr. Wolfgang Dreßen, Autor und Kurator der Ausstellung, führte dann in die Geschichte der Ausstellung ein und griff auch aktuelle Fragen auf. So sind zwar inzwischen öffentliche Einrichtungen bundesweit in Sachen Herkunftsforschung von Kulturgütern unterwegs. Private Erwerber von Kunstwerken, die sie zum „Schnäppchenpreisen“ ergatterten, sind allerdings komplett außen vor – obwohl sie in den Versteigerungslisten der Finanzämter mit Namen und Adressen erfasst sind, wie die Ausstellung zeigt.

Die Ausstellung ist zu sehen montags bis freitags, 8:00 bis 19:30 Uhr in der Bürgerhalle des Landeshauses, Freiherr-vom-Stein-Platz 1 in Münster. Weitere Infos zu Begleitveranstaltungen findet man unter www.linksfraktion-lwl.de.


Ausdruck vom: 11.08.2022, 18:05:51 Uhr
Beitrags-URL: https://www.linksfraktion-lwl.de/diese-geschichte-darf-nicht-vergessen-werden/
© 2022 Christine Buchholz, MdB